Biscuit, Cookie und Muffin

Biscuit

Als ich im Dezember 2004 in den Vorruhestand ging, beschloß ich, mir endlich meinen Traum vom eigenen Hund zu erfüllen. Aber ein neues Familienmitglied zu adoptieren will gut überlegt sein... Auf jeden Fall sollte es ein Hund aus dem Tierheim sein! Also klapperte ich die umliegenden Tierheime ab und hätte am liebsten alle Hunde mitgenommen - jedesmal ging ich in Tränen aufgelöst wieder weg...aber "meinen" Hund hatte ich nicht gefunden...

Dann riet mir jemand, doch mal im Zergportal im Internet zu suchen..., "jaja" dachte ich und tickte mir innerlich an den Kopf "einen Hund über´s Internet - geht ja gar nicht!!!" Aber neugierig war ich schon - und wie es so kommen sollte - blieb ich immer wieder an einem bestimmten Bild hängen..., immer wieder klickte ich dorthin zurück..., als ich dann aber las, daß der süße kleine Hund in Spanien (Malaga) in einer Tötungsstation sitzt, sackte mein Mut wieder und ich fragte mich, wie DAS denn nur klappen sollte...

Aber er ging mir nicht mehr aus dem Kopf, und irgendwann sagte ich mir: "Der oder Keiner!" Und schwupps! hatte ich nach schon 3 Wochen einen Hund! Einen kleinen, ca. 4 Monate alten Mischling, der völlig apathisch am Sonntagabend, dem 5. Juni 2005, am Flughafen ankam (ich dachte, es sei das Beruhigungsmittel) und von dem ich dachte, daß er mich gleich in der ersten Nacht wieder verlassen wollte!!! Der arme Kleine, der aussah wie ein kleiner Butterkeks, und deshalb den Namen "Biscuit" erhielt, rang nach Luft, hustete und keuchte! Die Nase war völlig verkrustet - und nachdem wir die Kruste entfernt hatten, lief nur so der Eiter heraus! Also am nächsten Morgen gleich zur Tierärztin, die uns noch vor der Sprechstunde empfing!

Biscuit war völlig dehydriert und die TÄ äußerte den Verdacht auf Staupe!!!

4 Tage lang mußten wir bibbern, bis die Entwarnung kam - es war "nur" eine schwere Bronchitis... 7 Tage lang schleppten wir den armen kleinen entkräfteten Kerl zur TÄ, und jedesmal ging es ihm ein bißchen besser! Er fing an, seine neue Umwelt zu inspizieren - und nun merkten wir erst, wie ängstlich der kleine Kerl war! Nur wenn andere Hunde zu sehen waren, freute er sich und wollte zu ihnen! Vor Männern und Kindern hatte er besonders große Panik, aber er hatte zuerst sogar Angst vor Gras! Er kannte offensichtlich nur den Betonboden der Perrera... Er mußte wohl getreten und geschlagen worden sein, das konnte man aus seinem Verhalten schließen - und das gerade während der wichtigen Prägephase... Wir (meine Freundin/Mitbewohnerin und ich) schufteten uns durch -zig Hundebücher, die sich u. a. mit Angsthunden befaßten - und in jedem stand etwas anderes!!!

Letztendlich zogen wir aus jedem Buch nur das, was wir vom Gefühl her am passendsten hielten für Biscuit - und...: wir müssen wohl ein bißchen was richtig gemacht haben, denn nun, nach 5 Jahren, ist zwar immernoch die Vorsicht vor Männern und Kindern da, aber eben nur "Vorsicht"! Nicht mehr die Panik, die es uns am Anfang fast unmöglich machte, Gassi zu gehen, weil wir manchmal für 10m eine halbe Stunde brauchten!!!

Biscuit ist ein stolzer, wunderschöner Hund geworden - er ist übrigens, wie wir herausfanden, ein Mischling aus Podengo portugues Rauhaar und Galgo.

Als Biscuit ca. ein halbes Jahr bei uns war, kam immer wieder der Gedanke, daß ein Gefährte für ihn ganz toll wäre..., erstens, weil wir immer wieder gelesen hatten, daß Podencos gerne Artgenossen um sich haben und zweitens, damit er einen Kumpel hat, der beim Rennen mit ihm mithalten könnte... Ja, und auch diesmal hatte ich schon einen Favoriten - aber er hatte bereits eine Pflegestelle in Sicht und war somit in Sicherheit - deswegen wollte ich lieber eine andere Nase adoptieren, die es nötiger hatte...

 

Cookie

Aber es kam, wie es kommen sollte..., auch die Vermittlerin sagte immer wieder: "das Herz muß entscheiden" - und das hatte es schon längst!!!

Also zog "Cookie" am Samstag, dem 11. Februar 2006, bei uns ein..., ein kleines ca. 4 Monate altes Wesen, das nur aus Ohren und Beinen bestand! Er war als Winzling zusammen mit seinen Geschwistern in eine Mülltonne entsorgt worden..., seine Geschwister waren schon tot, als man ihn fand! Ich glaube, niemand kann nachfühlen, was der kleine Kerl womöglich durchmachen mußte!!! Er sah seine Geschwister sterben, vielleicht wurde immer wieder etwas auf ihn in die Tonne geworfen und die Klappe wieder zugeknallt! Ich mag garnicht drüber nachdenken...

Jedenfalls hatte der Kleine ein gehöriges Trauma davongetragen! Laute Geräusche versetzten ihn in Panik! Wenn nur eine Hand über seinen Kopf geriet, duckte er sich ängstlich und preßte sich auf den Boden! Nachts im Schlaf schrie er oft, es war wie ein Wolfsgeheul, das durch Mark und Bein ging!

Und trotzdem war er - im Gegensatz zu Biscuit - allen Menschen zugetan!!!

Auch Cookie´s Ängste besserten sich, aber er blieb immer unsicher und er hatte ein arg schwaches Immunsystem, das aber eine Heilpraktikerin super stärken konnte! Allerdings bekamen wir Anfang 2009, nachdem Cookie beim Toben plötzlich hinten kurzfristig nicht mehr hochkam und offensichtlich Schmerzen hatte, die Diagnose: HD auf beiden Seiten! Daß er lockere Kniescheiben hatte, wußten wir ja schon...

Nachdem wir alle Möglichkeiten sorgfältig abgewägt und uns von Fachärzten beraten lassen hatten, entschieden wir uns für eine Goldakupunktur - und ich denke, wir haben gut entschieden! Cookie ist seither schmerzfrei und braucht keine Medikamente! Cookie ist ein absolut liebenswerter Hund, den man sofort liebhaben muß..., er sieht meistens etwas schwermütig aus, kann aber manchmal auch sehr fröhlich sein. Er ist ein Mischling aus Podenco andaluz und das-weiß-niemand-so -genau, obwohl unser jetziger Tierarzt, der 1 Jahr in Spanien praktiziert hat, meinte, er könne sogar auch reinrassig sein (bei den Andalusiern gibt es ab und zu auch diese Fellfarbe).

 

Muffin

Den Wunsch noch einen dritten Hund zu adoptieren, erstickte die Vernunft immer wieder im Keime. Allerdings hat man ja so seine Herzenshunde auf den Vermittlungsseiten, nach denen man immer mal wieder schaut, und sich wie wild freut, wenn sie ein Zuhause finden! Bei Podencos ist das allerdings leider eine sehr seltene Freude...(wenn die Leute doch nur wüßten, was ihnen da entgeht!) Pomelo war ein solcher..., immer wieder sah ich nach ihm und jedesmal hätte ich am liebsten das Kontaktformular ausgefüllt..., aber die Vernunft stand dazwischen...! Und dann kam ein Notfall: eine kleine Podenca, blind und mit Ataxie, kam sie in der Auffangstation nicht zurecht, und die anderen Hunde nicht mit ihr! Sie konnte dort nicht bleiben und man suchte händeringend eine Bleibe für sie... Ich hatte mich so "verguckt" in die Kleine, daß ich nach einer schlaflosen Nacht entschied: egal! Das wird schon gehen! Wo 2 Hunde versorgt werden, kann auch ein dritter noch satt und gesund werden! Sie sollte kommen! Ich schrieb eine Mail, und erfuhr aber, daß sich schon liebe Menschen gefunden hatten, die auch die nötigen Geldmittel besaßen, um sie bestmöglich zu versorgen! Einerseits war ich froh - andererseits war ich traurig, daß ich sie nicht kennenlernen würde - aber so wurde der Gedanke geboren: wenn ich eh´ noch einen Hund aufnehmen wollte, wieso sollte es dann nicht der arme kleine Pomelo sein, der trotz seiner Jugend von einem Jäger entsorgt worden war, sich eine Zeitlang auf der Straße durchkämpfen mußte, ehe er mit gebrochenem rechten Vorderbein von den Tierschützern in Andujar aufgegriffen wurde.

Lange Rede - kurzer Sinn: am Sonntag, dem 9. Mai 2010 zog also der ca. 1,5-jährige Pomelo bei uns ein, der ziemlich schnell in Muffin umgetauft wurde, allein schon wegen seiner schönen Zimtfarbe!

Er war von der ersten Sekunde an im wahrsten Sinne des Wortes "umwerfend"! Sowas Zutrauliches und Schmusiges hatten wir nicht erwartet! Ein wahrer Herzensbrecher! Es schien, als wäre das, was ihm am meisten gefehlt hatte, menschliche Nähe gewesen! Er kroch fast in uns hinein beim Schmusen! Und er hatte soviel nachzuholen! Auch beim Spielen! Am liebsten hätte er nur gespielt und geschmust, und wieder gespielt, um danach wieder zu schmusen (aber zwischendurch immer mal versuchen, etwas Eßbares zu stehlen!!!)! Auch draußen war er kaum zu bremsen! Aber mit der Zeit wurde er ruhiger..., er spielt und schmust immernoch gerne, aber durch die langen Gassis und die Beschäftigung ansonsten, schläft er inzwischen meistens, wenn er im Haus ist - genau wie Biscuit und Cookie.

Aber ein Dieb wird er wohl immer bleiben!

Wir entdeckten übrigens auch noch eine Luftgewehrkugel in seinem linken Hinterlauf...wer weiß, was dieser kleine Kerl alles erlebt hat...

Muffin ist übrigens ein Podenco andaluz.